Vereinsgründung
Verein "Mensch und Wohnen in Kronach e.V." gegründet
Von Bürgerinnen und Bürgern aus Kronach und näherer Umgebung wurde der gemeinnützige Verein "Mensch und Wohnen in Kronach e.V." gegründet. Sie wollen bei der Umgestaltung zur barrierefreien Stadt mithelfen, um Kronach zu einem bevorzugten Wohnort für Senioren und Menschen mit Behinderung zu machen. In den Vorstand gewählt wurden als 1. Vorsitzender Herr Leopold Herrmann, 2. Vorsitzende Frau Rosemarie Schnappauf, beide von der Behinderteninitiative Kronach, als Beisitzer und Schriftführer Dr. Manfred Blinzler und die Kassenführung wird die Raiffeisenbank übernehmen.Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Die Hälfte der Bevölkerung wird im Jahr 2025 älter als 47 Jahre sein. Auch in Kronach wird die demographische Entwicklung erhebliche Spuren im sozialen Gefüge der Stadt hinterlassen. Neben einem weiteren Bevölkerungsverlust von mehr als 10% in den nächsten 15 Jahren wird der Anteil der Menschen im höheren Alter stark zunehmen. Die Zahl der Senioren wird sich je nach Altersgruppe mehr als verdoppeln und die Anzahl der Kinder im Vorschulalter um 30 bis 40% abnehmen. In der Stadt Kronach gibt es derzeit bereits 2.041 (11,3%) Schwerbehinderte, die Stadt Kronach liegt mit den Schwerbehindertenzahlen weit über dem Bundesdurchschnitt. So sagte z.B. Dr. Johannes Maier, Vorstand der Bertelsmannstiftung, bei der Vorstellung der Bevölkerungsprognose, dass vielerorts immer noch kommunalpolitische Schlussfolgerungen aus dieser Entwicklung und entsprechend überzeugende Handlungskonzepte fehlen.
Eine barrierefrei gestaltete Umwelt ist für ein selbstbestimmtes Wohnen im Alter oder mit Behinderung unerlässlich. Was Kronach fehlt ist eine modernisierte Altstadt. Das Wohnen, die Einkaufsangebote, Dienstleistungen und Freizeitaktivitäten müssen für alle Bürger, ganz gleich welche Einschränkungen sie haben, nutzbar sein. Gute Konzepte, die bereits andernorts schon verwirklicht sind können uns als Vorbild dienen. Auch in Kronach gibt es bereits Handlungskonzepte, sie schlummern allerdings noch in den Aktenschränken. Wir wollen sie herausholen, diskutieren und auf ihre praktischen Umsetzungsmöglichkeiten testen. Sonst bleibt uns bald nur eine historische Kulisse, die ohne pulsierendes Leben auch für Touristen uninteressant wird. Die Umwidmung von leerstehenden Gebäuden bietet ein weiteres Programm, hierzu sollen Investoren gewonnen werden um die Situation für ältere Menschen im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung zu verbessern. Dazu gehören Informationen über Problemlösungen für ein selbst-ständiges Leben im Alter und bei Behinderung - außerhalb von stationären Einrichtungen - zur Wahrung und Erhaltung der Selbstbestimmung.
Bei unserer Vereinsarbeit steht immer der Mensch im Mittelpunkt.
Der Verein „ Mensch und Wohnen e.V.“ will ein umfassendes Beratungsnetzwerk für die be-nötigten Dienstleistungen aufbauen. Ziel des Vereins ist es auch , den Menschen die Unterstützung für das Leben in oder mit der Immobilie im Alter oder bei Behinderung zu gewährleisten, um Lebensqualität in der Zukunft zu sichern. Unterstützungen finden wir bei Fördermitgliedern, verschiedenen Firmen, der Baubranche, von Versicherungen und Banken (Raiffeisen- und Volksbank Kronach), den Sozialdiensten insbesondere Caritas in Kronach und vielen Einzelpersonen und den Medienpartnern der Region. Wir wollen außerhalb der Parteipolitik für breite Bevölkerungskreise Ansprechpartner werden. Wir wollen damit den Paradigmenwechsel, den die Politik für behinderte Menschen auf internationaler und nationaler Ebene durch Gesetze und Vorschriften verwirklicht hat, auch in das Bewusstsein der Menschen bringen. Darin verpflichtet sich der Staat zur Barrierefreiheit. So soll auch die strukturelle Ausgrenzung behinderter Menschen beseitigt und das Recht auf gesellschaftliche Einbeziehung gestärkt werden. Das bedeutet, dass behinderte Menschen gleichberechtigt mitten in der Gesellschaft leben können. Das individuelle Schicksal von behinderten Menschen steht im Vordergrund, denn "behindert ist man nicht, behindert wird man". Motiv und Leitgedanke des Vereins ist, wie es Franz Kamphaus, der ehemalige Bischoff von Limburg, der jetzt seinen Lebensabend unter Behinderten verbringt, formuliert,: "Stufen, auch in den Köpfen, sind für behinderte Menschen vom Teufel. Wie die Gemeinschaft mit Krankheit und Behinderung in allen Phasen des menschlichen Lebens umgeht, bildet die Nagelprobe auf die Menschlichkeit der Gesellschaft."
Dem Verein beitreten kann jede natürliche und juristische Person, die die Vereinsziele unterstützen möchte, bei einem Jahresbeitrag von 25 Euro.
Unsere nächsten Aktivitäten werden Vorträge und Aufklärungsveranstaltungen zur Vorstellung der Vereinsziele sein. Für Vortragsreihen werden wir Referenten wie z.B. den Behindertenbeauftragten des Bezirks Oberfranken, Vertreter der bayerischen Architektenkammer und weiteren Beratungsstellen nach Kronach holen. Weiterhin sind Besichtigungsfahrten zu Einrichtungen und Bauprojekten geplant, die in Altstadtzentren von Kleinstädten Frankens bereits realisiert sind.
Kronach 11.2.2009